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Besondere Herausforderung für das Planungsbüro

Wichtiger Faktor: Einbindung der Kälteerzeugung in das Gesamtenergiekonzept
Die Ingenieure der M+M AG in Böblingen führten im Auftrag der Fildorado GmbH die Planung des Eissäulenprojekts durch. In dem 1970 gegründeten Unternehmen, das seine Dienstleistungen in den Segmenten Industrie- und Komfortbauten sowie Gesundheitswesen, Forschung und Lehre erbringt, sind derzeit deutschlandweit an sechs Standorten rund 200 Mitarbeiter beschäftigt. In einem Interview gibt der zuständige Bauleiter Manfred Roller Auskunft über Anforderungen und Erfahrungen, die mit diesem ungewöhnlichen Auftrag verbunden waren. Außerdem beschreibt er den konkreten Nutzen für das Freizeitbad.

Herr Roller, wie haben Sie reagiert, als Sie den ungewöhnlichen Wunsch des“ Fildorados“ gehört haben?

Im ersten Moment waren wir etwas verwundert über diesen ungewöhnlichen Wunsch.

Nach einer ersten technischen Überprüfung haben wir uns entschieden, die Attraktion umzusetzen. Hatten Sie bereits zuvor ein vergleichbares Projekt abgewickelt?

Die Kältetechnik an sich gehört zu unserem Tagesgeschäft. Die Realisierung von Eissäulen war für uns eine neue Herausforderung und ist in den bisher von uns geplanten Bädern nicht realisiert worden.

Nach welchen Kriterien haben Sie die Fachfirma für die Umsetzung ausgewählt?

Für diese nicht alltägliche Technik kommt aus unserer Sicht nur eine Kältetechnikfirma mit entsprechender Kompetenz in Frage.

Welche besonderen Anforderungen an die Technik haben Sie gestellt?

Es sollte eine energetische Gleichwertigkeit gefunden werden, damit die Anlage wirtschaftlich betrieben werden kann. Wie sind Ihre technischen Erfahrungen mit Eissäulen? Wie bereits erwähnt, gab es im Vorfeld der Maßnahme bei der Planungsgruppe M+M AG keine Erfahrung über bereits realisierte Eissäulenprojekte.

Welche Anforderungen stellen Sie an das technische Betreiberteam?

Während der Aufbauphase der Eisschicht ist die Eissäule zu beobachten. Ansonsten ist der Betrieb nahezu wartungsfrei.

Wieviel Zeit sollte der Betreiber von der Planung bis zur Inbetriebnahme der Eissäule einplanen?

Nach Klärung der technischen und kaufmännischen Randbedingungen muss mit einer Erstellungszeit von 2 bis 4 Monaten gerechnet werden. Worauf sollte der Betreiber einer Eissäule bei der Planung achten? Ein wichtiger Faktor ist eine energetisch sinnvolle Einbindung der Kälteerzeugung in das Gesamtenergiekonzept sowie die sorgfältige technische Auslegung.

Würden Sie wieder eine Eissäule in einem Schwimmbad installieren?

Selbstverständlich. Wie die Resonanz der Besucher zeigt, ist es ein attraktives Element in einem Schwimmbad, insbesondere für Kinder. Ist der Energiebedarf einer Eissäule überhaupt vertretbar, Herr Roller? Ja, einerseits wird die Raumluft des Schwimmbads entfeuchtet, andererseits wird die Abwärme der Kältemaschine zur Beheizung des Schwimmbadwassers genutzt.

Welchen Rat würden Sie einem Badebetrieb hinsichtlich der Eissäulen-Investition geben wollen?

Durch die Eissäule kann die Attraktivität eines Bades erhöht werden.

Waren Sie mit der Ausführung durch die Fachfirma zufrieden und würden Sie diese ggf. weiterempfehlen?

Die Firma Kälte Eckert in Markgröningen wickelte das Projekt absolut zuverlässig und kompetent ab.

Herr Roller, wir danken Ihnen für Ihre Ausführungen.


Interview mit Norbert Sauer (Stellvt. Geschäftsführer der Fildorado GmbH)

„Unsere Besucher sind begeistert, dass die Eissäulen wieder da sind“

Das Sport- und Badezentrum Fildorado wurde 1977 als eines der ersten Freizeit-bäder in Deutschland eröffnet. Nachdem das Gebäude und der Außenbereich angesichts fast 30-jähriger intensiver Nutzung eine Generalsanierung nötig hatten, entschloss man sich zu einem kompletten Umbau. Das größte Bauprojekt in der Geschichte der Stadt Filderstadt wurde dann im Frühjahr 2006 mit einem Investitionsvolumen von 27,2 Millionen Euro abgeschlossen. Seither ist die Anlage kaum wieder zu erkennen und findet in der Öffentlichkeit eine äußerst positive Resonanz, so dass bereits im ersten Jahr nach der Wiedereröffnung mehr als eine halbe Million Besucher in das Erlebnisbad strömten. Derzeit hat die Fildorado GmbH (Sport- und Badezentrum) als Tochterunternehmen der Stadt Filderstadt einen jährlichen Gesamtumsatz von rund 5 Millionen Euro aufzuweisen und beschäftigt (einschl. der Aushilfsangestellten und Freiberufler) insgesamt rund 150 Mitarbeiter. Der Restaurant- und Massagebereich sind verpachtet, während der weitere Betrieb vollständig in eigener Regie durchgeführt wird. Für 2008 steht ein positives Betriebsergebnis in Aussicht, was für eine Einrichtung dieser Art nicht selbstverständlich ist. Im Gespräch äußert sich der stellvertretende Geschäftsführer der Fildorado GmbH Norbert Sauer u.a. darüber, warum die Idee mit den Eissäulen entstanden ist, wie sich die Umsetzung vollzog und welchen Nutzen sein Unternehmen erwartet.

Herr Sauer, was hat Sie als Betreiber bewogen, Eissäulen in ihrem Erlebnisbad aufzustellen? Der Markt im Bereich der Erlebnis- und Freizeitbäder ist hart umkämpft. Seit den 70-er Jahren stieg die Zahl der potentiellen Nutzer nicht wesentlich an, jedoch hat das Angebot deutlich zugenommen. Wir haben auf diese Situation 2003 zunächst mit einem kompletten Umbau der damals bereits 25 Jahre alten Anlage reagiert, in dessen Folge sich die Zahl der Badegäste seit der Wiedereröffnung nahezu verdoppelte – auf momentan cirka 600 000 Personen jährlich. Seither ist unsere Devise, kontinuierlich mit neuen Attraktionen aufzuwarten, die möglichst ein so genanntes „Alleinstellungsmerkmal“ darstellen sollen, also nur im Fildorado vorhanden sind.

So hatte unser Unternehmen z. B. zuvor eine Salounge (Salzgrotte) eingebaut, welche sich sehr gut zur Therapie von Atemwegsinfekten eignet. Auf Basis dieser Geschäfts-politik ist auch die Idee zum Anbringen der „Eissäulen“ entstanden.

Welchen konkreten Nutzen versprechen Sie sich von diesem Projekt?

Im Wesentlichen spielen fünf Gesichtspunkte eine Rolle. Erstens handelt es sich vor allem für unsere jungen Gäste um eine besondere Attraktion. Die Eissäulen wirken insbesondere bei den Kindern wie ein Magnet, in deren Umgebung immer etwas los ist. Zweitens sind diese Anlagen Teil unseres „Edutainment- Konzepts“, bei dem Kinder und Schulklassen auf unterhaltsame Weise praktisches Wissen vermittelt bekommen. In diesem Fall nehmen die Mädchen und Jungen das Wasser in seinen Aggregatzuständen wahr (flüssig als Wasser, gasförmig als Dampf und fest als Eiskristalle). Drittens absorbieren die Eissäulen auf natürliche Weise Luftfeuchtigkeit, was zum besseren Raumklima in der Schwimmhalle beiträgt und viertens die Lüftungsanlage entlastet. Fünftens nutzen wir die bei der Produktion des Eises entstehende Wärme, um unser Thermalbecken zu beheizen.

An welchen Stellen hatten sie ggf. Überzeugungsarbeit zu leisten bzw. wer genehmigte die finanziellen Mittel? Die Entscheidungsprozesse gingen den üblichen Weg von der Geschäftsführung in den Aufsichtsrat und die zuständigen Ausschüsse des Gemeinderats. Da es ungewöhnlich ist, in einer mit 30 Grad beheizten Schwimmhalle Eissäulen aufzustellen, gab es natürlich auch kritische Nachfragen. Nachdem das Vorhaben aber schlüssig begründet war und außerdem eine insgesamt positive Energiebilanz für den Betrieb zu erwarten ist, waren die Gremien am Ende überzeugt.

Wie gestaltete sich die Umsetzung des Projekts, Herr Sauer?

Wir haben als Betreiber das Planungsbüro M&M in Böblingen eingeschaltet und dann die Leistungen ausgeschrieben. Zunächst erhielt im Jahr 2006 ein Betrieb den Zuschlag, der leider keine tragfähige technische Lösung für diese Aufgabe anbieten konnte. Folglich musste der Betrieb der Eissäulen vorübergehend eingestellt werden. Im weiteren Verfahren sind wir dann mit der Firma Kälte Eckert in Markgröningen in Kontakt getreten. Dieses renommierte Unternehmen verfügte nicht nur über ein hervorragendes technisches Konzept, sondern auch über das notwendige Fachwissen bei dessen Umsetzung. Insgesamt haben sowohl Kälte Eckert als auch M&M hervorragende Arbeit geleistet, weshalb wir mit diesen beiden Auftragnehmern ausgesprochen zufrieden sind und sie ohne Bedenken weiter empfehlen können.

Welche Reaktionen haben Sie von ihren Badegästen erhalten?

Bislang erreichten uns nur begeisterte Rückmeldungen. Die Besucher haben die Eissäulen vermisst und finden es nun toll, dass sie wieder da sind. Ingesamt sind die beiden Türme Publikumslieblinge, die hoffentlich auch den Sommer gut überstehen werden. Diesbezüglich sind aber alle Experten sehr optimistisch.

Haben Sie schon das nächste „Highlight“ im Auge?

Ja, denn wir wollen stets am Ball bleiben und immer vorne dabei sein. Es gibt schon Vorüberlegungen für ein neues Projekt. Worum es sich dabei handelt, kann ich jedoch momentan leider noch nicht verraten.

Herr Sauer, wir danken Ihnen sehr herzlich für dieses informative Gespräch. Gerald Häcker


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2017-11-24T10:54:32+00:00
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